WERBUNG
WERBUNG

Frau von Sieb erzählt eine Weihnachtsgeschichte

8. Türchen des großen EUROPA Adventskalenders

Es war kurz vor Weihnachten. Draußen rieselten leise die Schneeflocken vom Himmel. Es war kurz vor der Dämmerung. Im Stall lag Mama Schwein mit ihren vier kleinen Schweinchen glückselig auf der Seite, während die Kleinen tranken.

Doch in der Ecke, da lag noch ein kleines Schweinchen. Es versuchte sich langsam zu seiner Mama zu pirschen, denn es hatte auch so sehr Hunger. Doch kaum da, wurde es auch schon wieder verjagt. Langsam und traurig schlich es wieder in seine Ecke und schlief zitternd vor Kälte und Traurigkeit ein.

Am nächsten Morgen kam der Bauer mit seinem Lehrling in den Stall. Sie unterhielten sich aufgeregt: „Das macht doch so keinen Sinn, Gerald...." „Aber Hans, du kannst doch das Schweinchen nicht...." Das kleine Schweinchen schreckte auf. Die Bauern unterhielten sich über es. Was hatten sie denn nur vor? Der Bauer nahm es auf den Arm und hievte es auf eine Waage. Dabei schüttelte er den Kopf. „Nein, es ist untergewichtig, es wird nicht durchkommen. Ich habe keine Zeit, es großzuziehen und dann hat man nicht mal die Garantie, dass es überlebt..., ich werde es schlachten müssen." Er setzte das Schweinchen wieder ab und ging hinaus. Weit entfernt nahm er nur noch die Stimme des Bauern wahr. „...heute Abend".

Verzweifelt quiekte das kleine Schweinchen. Es versuchte noch einmal zu seiner Mama zu laufen, doch die Geschwister schubsten ihn weg. Es war einfach zu klein und schwach. Als die anderen, nachdem sie sich ihre Bäuchlein vollgeschlagen hatten, schliefen, fasste das kleine Schweinchen den Entschluss, nicht kampflos aufzugeben. Es blickte sich noch einmal um und lief dann blitzschnell um die Ecke und durch die Katzenklappe im großen Scheunentor.

Da stand es nun, zum ersten Mal draußen. Es fror, stand es doch zentimetertief im Schnee. Ein Grunzen entwich ihm, weil es sich so seltsam anfühlte, doch es musste leise sein. Gut, dass es um diese Jahreszeit so früh dämmerte. Langsam schlich das Schweinchen über den Hof, vorbei an den Pferden und Eseln. Die Koppel stand im Dunkeln und als es die letzte Laterne passiert hatte, lag vor ihm der dunkle Feldweg. Langsam tapste es voran in Richtung Wald, um sich blickend, bibbernd vor Kälte und mit großem Hunger.

Plötzlich ertönte ein seltsames Geräusch. Wo kam das nur her? „Hey!" Das Schweinchen drehte sich in jede Richtung, doch niemand war zu sehen. Leise antwortete es „Hallo?". Nichts. „Hallooo, ist da wer?", fragte es zaghaft in die Dunkelheit. „Was willst du hier? Du bist ein Schwein und hast in meinem Wald nichts zu suchen." Das kleine Schwein erstarrte. Da entdeckte es die leuchtenden Augen eines Uhus, ganz oben im Baum. „Eeee eees es tut mir leid", stammelte es zurück. 

„Ach Gudrun, lass‘ doch das kleine rosa Ding in Ruhe", ertönte eine weitere Stimme. „Das ist mein Revier, Gustav", brummte Gudrun. Das Schweinchen sah einen Feldhasen vor sich umherspringen, die Löffel ganz nach oben gestreckt. „Ich bin Gustav und wer bist du?".„I i ich weiß nicht, ich habe keinen Namen", sagte das Schweinchen traurig. „Das ändern wir gleich", meinte Gustav. Ich finde, Berti passt gut zu dir. Ich nenne dich einfach so. Jeder braucht doch einen Namen. Was machst du denn hier so alleine im Wald?" „Berti? Hmmm, ok." Da grinste das kleine Schweinchen auf einmal: „Einverstanden. Ich habe einen Namen. Ich habe einen Namen", rief Berti euphorisch und freute sich, dass jemand mit ihm redete und ihm einen Namen gab. Er war jemand. Wie schön. Doch er hatte immer noch so großen Hunger. „Gustav, ich habe solchen Hunger." Gustav reichte ihm eine Haselnuss. Doch Berti wusste nichts damit anzufangen. „Und dann isst er nicht einmal das, was man ihm anbietet", donnerte Gudrun vom Baum.  „Ach, sei ruhig, du griesgrämige, alte Dame. Misch‘ dich nicht immer ein.", sagte Gustav.

Da kam ein Reh um die Ecke. „Aber, er kann doch gar keine Nuss essen, er braucht noch Milch", erreichte Berti die sanfte Stimme von Ellie. „Hast du Milch für mich", fragte er Ellie. Doch sie schüttelte den Kopf. „Nein, es tut mir Leid, Kleiner. Aber weißt du was? Meine Cousine, Frida, sie hat gerade drei Kitz geboren. Ich gehe sie holen. Und Gustav, leg‘ dem Kleinen doch ein paar Blätter aus deinem Bau hin, damit er sich ausruhen kann. Er kann sich ja kaum noch auf den Beinen halten."

Gesagt, getan. Gustav bereitete dem kleinen Berti ein Blätterbett und diesem fielen auch sofort die Äuglein zu. Er grunzte erleichtert, bevor er in einen tiefen Schlaf verfiel. Selbst Gudrun brummelte nicht mehr. Bald kam Ellie mit ihrer Cousine Frida zurück, natürlich mit ihren kleinen Kitzen Lisa und Lilly. Sie weckte Berti ganz sanft und verschlafen trank er von Frida. „Weißt du, Kleiner, mein Sohn wurde von einem Jäger erwischt. Und deshalb habe ich genug Milch. Ich bin froh, dass ich dir helfen kann." Dann schliefen alle und beim Morgengrauen sah die Welt auch schon anders aus. Gudrun schloss nun auch ihre Augen und die anderen überlegten sich, wie sie gemeinsam die Weihnachtszeit feiern konnten.  Jetzt, wo sie noch einen Freund dazu gewonnen hatten, lohnte es sich doch umso mehr.

Sie riefen nach Rocko, dem Fuchs. Der sollte in die Stadt und Essen besorgen. Die Menschen hatten genug. Bis Rocko zurück war, bauten Berti und seine neuen Freunde ein richtig schönes Lager, wo sie gemeinsam Weihnachten zelebrieren konnten. Gerade noch rechtzeitig an Heiligabend kam Rocko zurück. So saßen sie alle im Kreis, lachten, aßen und freuten sich, dass sie sich hatten und nicht alleine waren. Und Berti strahlte am meisten. Denn hätte er nicht den Mut gehabt, zu fliehen und auf sich alleine gestellt zu sein, dann würde er das nicht erleben. Und Freunde und füreinander da sein, das ist doch das Wichtigste im Leben.

Ende.

Frau von Sieb lehnte sich zurück und schlief langsam ein. :)